8.-12. Juni 2010,
Studienreise, Wiesbaden
12. Juni 2010
Ich wollte nicht aufwachen, aber ich musste. Es war 7 Uhr am Morgen und da lag ich nun, einsam in meinem Zimmer und das einzige was mich am Leben hielt, war die Gewissheit heute wieder zuhause zu sein. Ich hoffte, dass jemand die ganzen E-Mail Adressen geschickt hatte. Ich wollte einfach weiterhin Kontakt zu unserer Wiesbadener-Studententruppe in Spé haben
Mit Mühe und Not kletterte ich das Bett runter, sah mich um und ging ins Bad. Das letzte Mal duschen – und nein ich leide nicht unter Waschzwang oder so XD Aber es ist einfach eklig, wenn es ständig klebt auf der Haut >.< Hatte dann mein Bett abgezogen und bin damit runter, habs in den Wäschecontainer geworfen und bin dann zum Frühstück. Zum letzten Mal, den Weg. Es war schon wieder melancholische Stimmung in mir. Und wie ich da so saß mit dem Weißbrot, dem Orangensaft und den Aufstrichen, fragte ich mich, ob ich Wiesbaden jemals wiedersehen würde. Ich beobachtete die Menschen um mich herum, saugte noch mal jegliche Luft als Erinnerung ein. Ich bin in solchen Dinge echt überemotional, das geb ich zu, denn als ich wieder auf meinem Zimmer war, kullerten leise kleine Tränen über meine Wangen.
Die letzten Sachen wurden in den Koffer gepackt und ein letzter Blick aus den Fenster getätigt. Es war grad mal halb 9, also beschloss ich, mich noch hinzusetzen und Buch zu lesen. Und ich war so vertieft in dem Buch, dass ich bei Blick auf die Uhr meines Handys erschrak, dass die schon 9:17 Uhr angezeigt hatte. Warum so hysterisch? Nun, bis 9:30 Uhr musste ausgecheckt werden. Also nochmal geschaut, ob alles raus ist, ein letzter Blick zurück und dann gings zur Schlüsselabgabe. Sehr geil dann dieser verpeilte aber nette Typ am Schalter, der meine Rechnung nicht bereitgelegt hatte. Haha. Oh man 
Ich hatte erst mit dem Gedanken gespielt, die Zeit solange in der Lobby zu warten, aber meine Intuition sagte mir, warte nicht, sondern geh. Gedacht, getan. Ich blickte dann noch ein letztes Mal zurück zur Herberge und ging dann runter zur Bushaltestation der Gneisenauerstr. und fuhr dann bis zum Bahnhof. Ich sah ein letztes mal die Stadt an mir vorbei fahren. Ja, ich trauerte ihr nach. Je näher ich dem Bahnhof kam, desto mehr klärte sich der Himmel auf – sollte allerdings nicht lange andauern.
Da ich noch etwas Zeit hatte, entschloss ich mich spontan noch ins Lilien-Caré zu gehen. Dessen Architektur innerhalb einfach beeindruckend war. Ich wartete darauf, dass Saturn um 10 Uhr öffnete und streifte dann durch die CD und DVD Regale. Und kaufte mir spontan “Cinderalla Story” und “Haus am See” auf DVD
Ja und dann war es so weit und ich fuhr mit dem Zug nach Frankfurt/Main. Das Wetter blieb gleichmäßig mies. Am Frankfurter Bahnhof, gabs dann erst Mal Mittagessen
Und dann wartete ich bis 12:58 Uhr, dass mein Zug nach Hause kommen würde. Irgendwann setzte ich mich auf so eine freie Bank und holte mein Buch raus und wollte einfach nur lesen. Die eine ältere Dame hatte mich angegrinst, als ich mich setzte (ich schätzte mal, dass sie den Aufdruck meines Shirts “Krawallgruppe” nicht verstand – der keineswegs böse gemeint ist). Kurze Zeit darauf, tippste sie mich an und ihre erfahrenen Augen grinsten mich an während ihr Mund sprach “Are you reading in English?”
OMG ich war total perplex, dass die mich auf Englisch ansprach, dass ich nur ein “Yeah, for sure” herausbekam. Und sie fragte weiter “But you’re German, ain’t you?” ich dann so: “Yes, but I just read in English to teach my English … and of course this is the third part of a serie and the German translation will just published in August 2010 … so I just didn’t want to wait.” Und dann sprachen wir noch weiter über dies und das. Und dann stellte sich heraus, dass sie aus Alaska kam. Also hatte ich sie darüber noch eine Weile ausgequetscht und sie erzählte mir, wie lecker unsere Süßigkeiten wären. Es war sehr entspannend mit der Damen und ihrem Mann. Am geilsten war, total Klischee, dass sie gestrickt hatte. Ach ich fand die Frau so putzig und sie lobte mich für mein Englisch, sie meinte, es wäre gut
Ach am liebsten hätte ich sie eingepackt und mit nach Hause genommen <3
Als mein Zug kam, wünschte sie mir eine gute Heimreise und ich dem Ehepaar einen guten Flug zurück nach Alaska.
Ich stieg also in den IC ein, musste rückwärts fahren und hatte die ganze Zeit auch noch jemanden neben mir sitzen … nichts mag ich lieber, als Kerle, die ihre Beine möglichst weit voneinander trennen müssen beim Sitzen. Die Schmerzfahrt ging dann ab der Fulda-Durchfahrt wieder los bis Kassel-Wilhelmshöhe. Dann gings weiter über Göttingen, bis Hannover. Ich hatte von FFM bis zu den Tunnel glaub ich geschlafen … das war glaub ich etwa 1 Stunden. In Hannover erfolgte der Umstieg in die Metro-Bahn bis Uelzen. Eine geile Erfahrung, wie der Sprecher meinte “Jeglicher Verzehr von Alkohol oder anderen Drogen, sowieso das Rauchen ist in den Metro-Zügen strengstens untersagt. Wer erwischt wird, darf 40 Euro Strafe zahlen” und von unten her hörte ich nur, wie sich einige beschwert hatten. Endlich mal jemand, der sowas durchsetzt! Kaum saß ich also im Zug, sah ich Regen. Die kleinen Wassertropfen rutschten die Scheiben herunter. Sie weinten wieder symbolisch für mich. Denn jetzt wurde mir wieder bewusst, dass alles vorbei war. In Uelzen stellte ich mich auf einen Horrorbahnhof ein (, weil meine Schwester mal meinte, dass der so grausam wäre). Aber im Gegenteil dieser Hundertwasser-Bahnhof war eine einzige Verblüffung. Selbst die Toiletten waren reinster Luxus :O (und die 1 Euro waren im ersten Moment Abzocke).
Es folgte der Zug nach Stendal und von dort gings dann nach Tangermünde, wo ich von meiner Mum und meiner Schwester abgeholt wurde. Ich fiel erschöpft zuhause aufs Bett und verbrachte die ganze Nacht damit, diese Woche zu verarbeiten und einen besonderen Platz in meinen Erinnerungen zu spenden.
An dieser Stelle, danke an alle, die mir diese schönen Erinnerungen mitgeformt haben.






