8.-12. Juni 2010,
Studienreise, Wiesbaden
11. Juni 2010
Nun war er da, der Tag, wo mich auch meine letzten neuen Freunde verlassen würden. Und ich nehme an, dass die Natur genau mein Gefühl widerspiegelte. Wäre mein Leben ein Buch, wäre das eine tolle Analyse wert (das solltet ihr auch mal machen, euer Leben ab und zu literarisch sehen und versuchen zu interpretieren – es ist wahnsinn, wie viel verhersehbares gesehen kann). Auf jeden Fall, wachte ich das vorletzte Mal in der Herberge auf – und das letzte Mal mit Mitbewohnern. Langsam macht sich in mir auch schon so ein bisschen Trauer breit. Und wie gesagt, der Himmel weinte mit mir.
Die ältere Damen, die wir überraschend antrafen in der Nacht zuvor, war eine Wanderdame. Sie war gerade auf ihrer vorletzten Etappe, wie sie mir erzählt hatte, während Ellis ihre Bettwäsche wegbrachte. Es wurde schon fast melancholisch, wie Ellis und ich das letzte Mal zusammen zum Frühstück gingen. Später stieß dann auch Laura hinzu. Wir verabschiedeten und von unserm Muntermacher, der quirrligen Ellis und dann verbrachten Laura und ich noch ein Weilchen in der Cafeteria beim Frühstück. Sie holte dann ihre Sachen und ich holte noch Trinken und sowas und dann besuchten wir mal den Gemeinschaftsraum. Einer von den Amis war auch mit drin, der hatte uns auch gefragt, ob MTV hier auch deutsche Musik spielen würde … oder nur Amerikanische. War ein interessantes Gespräch
Laura und ich verbrachten also ihre restliche Zeit mit Quatschen, zuhören und TV schauen. Es war ein sehr schöner Ausklang, einer wunderbaren Zeit mit allen, die ich da kennengelernt habe. Von 8 Uhr morgens bis ca. 13-14 uhr hatten wir also in dem Gemeinschaftsraum gesessen. Und dann war auch schon Zeit, auch meine letzte neue Freundin zu verabschieden. Ich war danach dann ins Hauptgebäude (auf dem Bild rechts die Treppen hochen; links war das Gebäude der Mehrbettzimmer) und hatte mir für 1 Stunde Internet gekauft und total traurig und müde mit meinen andern Freunden geskypt, die ich eine Woche nicht schreiben konnte
Und dann war es auch irgendwann Zeit für die WM. Die Eröffnungsfeier und das erste Spiel hatte ich dann alleine im Gemeinschaftsraum geschaut und bin total übermüdet gegen Ende eingepennt und so gegen 18 Uhr aufgewacht. Bin dann zurück auf mein Zimmer – alles leer und verlassen und das Leben war ausgesaugt – und ging zum Abendessen. Bockwurst und Kartoffelsalat, so wie am ersten Tag
19 Uhr ging ich zurück in den Gemeinschaftsraum und gegen 20 Uhr kamen dann haufenweisen Jungs mit rein und haben dann mit mir zusammen eines der schlechtesten Frankreich Spiele gesehen. Danach ging ich zurück ins Zimmer, telefonierte noch eine Weile mit meiner Schwester, duschte mal wieder und machte es mir auf meinem Bett gemütlich wo ich dann noch so 80 oder 100 Seiten von “Chosen – A House of night novel” gelesen hatte. Ich wollte nicht schlafen gehen, denn ich wusste, am nächsten Tag würde alles vorbei sein – und die vergangen letzten Tage nur noch Teil meiner Erinnerung bleiben – einer wirklich tollen Erinnerung.
Ich schaltete das Licht aus, schlich zurück ins Bett, atmete tief ein und verschloss zum letzten Mal in Wiesbaden meine Augen.




